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Baufinanzierung

Was ist ein Annuitätendarlehen?

Ein Annuitätendarlehen ist ein Darlehen mit einer regelmäßig gleichbleibenden Rate während der vereinbarten Sollzinsbindung, sofern keine Vertragsänderung erfolgt. Jede Rate besteht aus Zins und Tilgung. Mit sinkender Restschuld nimmt der Zinsanteil ab; der Tilgungsanteil steigt.

Monatsrate = Zinsanteil + Tilgungsanteil

Ein Berater erklärt einer Person anhand von Unterlagen den Verlauf eines Annuitätendarlehens.
Die gleichbleibende Rate wird verständlich, wenn Zins, Tilgung und Restschuld gemeinsam betrachtet werden.
Von Martin Grabich8 Min. Lesezeit

Fachlich eingeordnet von Martin Grabich

Baufinanzierungsvermittler

Zuletzt aktualisiert am:

Orientierung

Das Wichtigste in Kürze

  • Während der Sollzinsbindung bleibt die vereinbarte Rate grundsätzlich gleich; ihr Tilgungsanteil wächst mit sinkender Restschuld.
  • Die Anfangsrate ergibt sich aus Darlehensbetrag, Sollzins und anfänglicher Tilgung.
  • Prüfen Sie neben der Rate auch die Restschuld am Bindungsende und die vertraglichen Anpassungsmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis

Eine feste Monatsrate lässt sich gut einplanen. Wie schnell Sie damit schuldenfrei werden, zeigt sich erst an ihrer Aufteilung und an der verbleibenden Restschuld.

Was bedeutet „Annuität“ bei einer Baufinanzierung?

Annuität bezeichnet ursprünglich die gleichbleibende jährliche Zahlung aus Zins und Tilgung. Bei einer Baufinanzierung wird diese Zahlung häufig auf monatliche Raten verteilt. Zwölf Monatsraten von 1.375 Euro ergeben beispielsweise eine jährliche Zahlung von 16.500 Euro. Das Lexikon der BW-Bank erklärt die jährliche Annuität und mögliche Zahlungstermine.

Zinsen zahlen Sie für den noch offenen Darlehensbetrag. Mit der Tilgung zahlen Sie das Darlehen zurück. Bei unverändertem Sollzins und gleicher Rate läuft es so ab:

Restschuld sinkt → Zinsanteil sinkt → mehr von derselben Rate fließt in die Tilgung.

Wie berechnet man die monatliche Rate?

Wenn Sollzins und anfängliche Tilgung als Jahreswerte vereinbart sind, lässt sich die Anfangsrate bei monatlicher Zahlung so berechnen:

Für das folgende Modell mit 300.000 Euro Darlehen ergeben sich drei Schritte:

  1. Anfangsrate bestimmen: 300.000 Euro × (0,035 + 0,02) ÷ 12 = 1.375 Euro.
  2. Zinsanteil berechnen: aktuelle Restschuld × 0,035 ÷ 12.
  3. Tilgung bestimmen: Monatsrate minus Zinsanteil. Die ersten beiden Zahlungen zeigt die folgende Tabelle.

Für die nächste Rate wird der Zinsanteil erneut aus der inzwischen gesunkenen Restschuld berechnet. Die anfänglichen 2 Prozent Tilgung bestimmen die Anfangsrate; sie werden nicht jeden Monat neu auf die Restschuld angewendet.

Ein Rechenbeispiel macht den Verlauf sichtbar

Das folgende Beispiel dient ausschließlich dazu, die Mechanik zu erklären. Es ist keine Empfehlung für eine Darlehenshöhe, einen Sollzins oder eine bestimmte Tilgung.

Annahmen des Beispiels

  • Darlehensbetrag: 300.000 Euro
  • gebundener Sollzins: 3,50 Prozent pro Jahr
  • anfängliche Tilgung: 2,00 Prozent pro Jahr
  • monatliche Rate: 1.375 Euro
  • Sollzinsbindung: 15 Jahre
  • monatliche Zahlung am Monatsende und monatliche Zinsberechnung
  • keine Gebühren, Sondertilgungen oder Tilgungsänderungen
  • Rundung der sichtbaren Werte auf zwei Nachkommastellen

Erste und zweite Rate: der Unterschied Schritt für Schritt

Die Monatsrate beträgt bei beiden Zahlungen 1.375 Euro. Der monatliche Sollzins ist 3,5 Prozent ÷ 12; weitere Kosten fallen im Modell nicht an.

Zahlung
Erste Rate
Zinsanteil
875,00 Euro
Tilgung
500,00 Euro
Restschuld danach
299.500,00 Euro
Zahlung
Zweite Rate
Zinsanteil
873,54 Euro
Tilgung
501,46 Euro
Restschuld danach
298.998,54 Euro

Die zweite Zinsberechnung bezieht sich auf 299.500 Euro statt auf 300.000 Euro. Deshalb sinkt der Zinsanteil um rund 1,46 Euro. Bei gleicher Rate fließt dieser Betrag zusätzlich in die Tilgung. Die zweite Restschuld ergibt sich aus 299.500 Euro abzüglich rund 501,46 Euro Tilgung.

So entwickeln sich Zins, Tilgung und Restschuld über 15 Jahre

Grafik

Vier gleich hohe Säulen zeigen eine konstante Monatsrate, deren Zinsanteil sinkt und deren Tilgungsanteil über 15 Jahre steigt.
Im Modell bleibt die Rate bei 1.375 Euro. Der Zinsanteil sinkt, während der Tilgungsanteil innerhalb derselben Zahlung wächst.

Die gleich hohen Säulen zeigen zuerst das Prinzip. Die Tabelle darunter ergänzt die zugehörigen Zahlungen und Restschulden.

Zeitpunkt
Erste Rate
Monatliche Rate
1.375,00 Euro
Zinsanteil der betrachteten Rate
875,00 Euro
Tilgungsanteil der betrachteten Rate
500,00 Euro
Restschuld nach der Zahlung
299.500,00 Euro
Zeitpunkt
Ende Jahr 1
Monatliche Rate
1.375,00 Euro
Zinsanteil der betrachteten Rate
858,72 Euro
Tilgungsanteil der betrachteten Rate
516,28 Euro
Restschuld nach der Zahlung
293.902,81 Euro
Zeitpunkt
Ende Jahr 5
Monatliche Rate
1.375,00 Euro
Zinsanteil der betrachteten Rate
781,26 Euro
Tilgungsanteil der betrachteten Rate
593,74 Euro
Restschuld nach der Zahlung
267.266,94 Euro
Zeitpunkt
Ende Jahr 10
Monatliche Rate
1.375,00 Euro
Zinsanteil der betrachteten Rate
667,89 Euro
Tilgungsanteil der betrachteten Rate
707,11 Euro
Restschuld nach der Zahlung
228.283,74 Euro
Zeitpunkt
Ende Jahr 15
Monatliche Rate
1.375,00 Euro
Zinsanteil der betrachteten Rate
532,87 Euro
Tilgungsanteil der betrachteten Rate
842,13 Euro
Restschuld nach der Zahlung
181.856,98 Euro

Die Monatsrate bleibt im Modell unverändert. Trotzdem entwickelt sich ihre Wirkung deutlich weiter:

  • Nach zehn Jahren ist der Tilgungsanteil bereits höher als der Zinsanteil.
  • Nach 15 Jahren sind rund 118.143 Euro des ursprünglichen Darlehens zurückgezahlt.
  • Gleichzeitig bleibt noch eine Restschuld von rund 181.857 Euro bestehen.

Die sichtbaren Werte sind modellhaft. Ein realer Tilgungsplan kann durch Auszahlungstermine, taggenaue Berechnung, Rundungen, Gebühren und vertragliche Regelungen abweichen.

Zinsbindung und Darlehenslaufzeit sind nicht dasselbe

Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Rate typischerweise während der vereinbarten Sollzinsbindung gleich. Die Finanzierung kann jedoch deutlich länger laufen als diese erste Zinsphase.

Im Rechenbeispiel beträgt die Sollzinsbindung 15 Jahre. Nach diesem Zeitraum sind noch rund 181.857 Euro offen. Die erste Zinsvereinbarung endet – das Darlehen selbst aber noch nicht.

Für die verbleibende Restschuld ist anschließend eine neue Vereinbarung erforderlich, sofern sie nicht auf andere Weise zurückgezahlt wird. Wie diese Situation einzuordnen ist, erklären die Artikel Zinsbindung bei der Baufinanzierung und Restschuld bei der Baufinanzierung.

Grafik

Eine Zeitachse zeigt eine 15-jährige Sollzinsbindung und die verbleibende Restschuld von 181.856,98 Euro am Ende dieses Zeitraums.
Nach 15 Jahren endet im Beispiel die erste Sollzinsbindung. Das Darlehen ist mit einer Restschuld von 181.856,98 Euro noch nicht vollständig zurückgezahlt.

Welche Rolle spielt der Tilgungsplan?

Ein Tilgungsplan macht sichtbar, wie sich die Zahlungen über die Zeit verteilen. Er kann insbesondere zeigen:

  • wann Zahlungen fällig sind,
  • wie hoch die einzelnen Zahlungen sind,
  • welcher Anteil auf das Darlehen angerechnet wird,
  • welcher Anteil auf Zinsen entfällt,
  • welche weiteren Kosten gegebenenfalls berücksichtigt werden,
  • und wie sich die Restschuld entwickelt.

Für Verbraucherdarlehensverträge sieht § 492 Absatz 3 BGB bei einem bestimmten Rückzahlungszeitpunkt vor, dass der Darlehensnehmer einen Tilgungsplan nach Artikel 247 § 14 EGBGB verlangen kann. Dieser muss die Zahlungen und ihre Anrechnung auf Darlehen, Zinsen und sonstige Kosten aufschlüsseln.

Diese allgemeine Information ersetzt keine Prüfung des konkreten Vertrags. Entscheidend bleibt, welche Angaben, Berechnungsweisen und Bedingungen tatsächlich vereinbart wurden.

Welche Angaben gehören zu einem sinnvollen Angebotsvergleich?

Zwei Angebote können dieselbe Monatsrate ausweisen und dennoch zu unterschiedlichen Verläufen führen. Ein belastbarer Vergleich sollte mindestens folgende Punkte enthalten:

  1. Darlehensbetrag Welcher Betrag wird tatsächlich finanziert?
  2. Gebundener Sollzins Mit welchem Zinssatz wird die Restschuld während der Sollzinsbindung verzinst?
  3. Effektiver Jahreszins Welche preisbestimmenden Kosten werden in der Gesamtbetrachtung berücksichtigt?
  4. Anfängliche Tilgung Mit welchem Rückzahlungsanteil beginnt die Finanzierung?
  5. Monatliche Rate Welche laufende Belastung entsteht daraus?
  6. Dauer der Sollzinsbindung Wie lange gelten Sollzins und vereinbarte Rate grundsätzlich unverändert?
  7. Restschuld am Ende der Sollzinsbindung Welcher Betrag muss später noch eingeordnet oder weiterfinanziert werden?
  8. Vertragliche Flexibilität Welche Möglichkeiten bestehen etwa für Sondertilgungen oder Tilgungsänderungen?

Welche Vorteile und Nachteile hat ein Annuitätendarlehen?

Vorteil
Die vereinbarte Rate erleichtert die Planung während der Sollzinsbindung.
Nachteil beziehungsweise Grenze
Bleibt am Bindungsende eine Restschuld, können höhere Anschlusszinsen die weitere Finanzierung verteuern.
Vorteil
Mit jeder Rate wird ein Teil des Darlehens zurückgezahlt; der Tilgungsanteil wächst.
Nachteil beziehungsweise Grenze
Bei niedriger Anfangstilgung sinkt die Schuld zunächst langsam. Eine hohe Restschuld kann lange bestehen bleiben.
Vorteil
Der vereinbarte Tilgungsplan macht den Zahlungsverlauf nachvollziehbar.
Nachteil beziehungsweise Grenze
Die Rate lässt sich während der Bindung nicht beliebig an verändertes Einkommen anpassen. Tilgungsänderungen und Sondertilgungen hängen von den vereinbarten Rechten ab.

Diese Grenzen hängen von Anfangstilgung, Zinsbindung und Vertrag ab. Sie treffen nicht jedes Annuitätendarlehen in gleicher Weise und kommen teilweise auch bei anderen Darlehensformen vor.

Planbarkeit braucht finanziellen Spielraum. Eine gleichbleibende Rate ist nur dann hilfreich, wenn sie auch mit Rücklagen und absehbaren Veränderungen tragbar bleibt. Der Artikel Welche Monatsrate passt zur Lebenssituation? hilft bei dieser Einordnung.

Eine niedrige Anfangstilgung verlangsamt den Schuldenabbau. Vergleichen Sie bei gleichem Darlehensbetrag und Sollzins deshalb auch die Restschuld zu demselben Zeitpunkt. Wie die Anfangstilgung den Verlauf beeinflusst, erklärt der Artikel Tilgung bei der Baufinanzierung.

Das Anschlusszinsrisiko betrifft die verbleibende Restschuld. Eine konstante Rate während der ersten Bindung sichert die späteren Konditionen nicht ab. Lassen Sie sich deshalb auch zeigen, welche Anschlussrate bei höheren Zinsen und einer nachvollziehbaren weiteren Rückzahlungsplanung nötig wäre.

Flexibilität hängt vom Vertrag ab. Prüfen Sie bei Sondertilgungen und Tilgungsänderungen die vereinbarten Grenzen, Termine und möglichen Kosten. Die Verbraucherzentrale erklärt die Grundmechanik und die Bedeutung solcher Vertragsrechte.

Ihr nächster Schritt: den Tilgungsplan prüfen

Fordern Sie zu jedem Angebot den Tilgungsplan an. Markieren Sie darin die Monatsrate, die Restschuld am Ende der Sollzinsbindung und die vereinbarten Möglichkeiten zur Anpassung. Vergleichen Sie die Restschulden zum selben Zeitpunkt und prüfen Sie, ob die Rate neben Ihren laufenden Ausgaben genügend Rücklagen zulässt. So wird aus der scheinbar einfachen Monatsrate ein Finanzierungsverlauf, den Sie beurteilen können.

Häufige Fragen

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Porträt von Martin Grabich

Über den Autor

Martin Grabich

Baufinanzierungsvermittler

Martin Grabich ist Baufinanzierungsvermittler und erklärt komplexe Zusammenhänge rund um Finanzierung, Immobilien und finanzielle Entscheidungen verständlich und nachvollziehbar. Sein Ziel ist nicht, Menschen zu einer bestimmten Lösung zu drängen, sondern ihnen die Klarheit zu geben, ihre Situation fundiert beurteilen zu können.

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